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Sentaris aus Singen bringt Ruhe­ständler und Unter­nehmen zusammen

Die Singener Sentaris GmbH bringt Fachkräfte im Ruhestand mit Unternehmen zusammen, die für ein Projekt Erfahrung brauchen. Rund 350 Ruheständler aus der Bodenseeregion stehen im Pool, 2025 soll die Plattform bundesweit wachsen.

Erfahrener Meister in Arbeitskleidung begrüßt einen Kollegen per Handschlag

Singen. Haus gestrichen, die große Reise gemacht, Zeit mit den Enkeln verbracht – und dann? Nach rund sechs Monaten lasse die Begeisterung für solche Ruhestandspläne im Schnitt nach, sagt Oliver Schubotz, einer der beiden Geschäftsführer der Sentaris GmbH, im Interview mit dem IHK-Magazin „Wirtschaft im Südwesten“. Wer danach aktiv bleiben will, soll über die Plattform des Singener Unternehmens passende Aufgaben finden: zeitlich begrenzte Projekte bei Unternehmen, die Erfahrung brauchen, aber keine Festanstellung anbieten wollen oder können.

Begleiten statt vermit­teln

Ruheständler zeigen auf der Plattform ihre Fähigkeiten und ihre Verfügbarkeit, Unternehmen beschreiben ihren Bedarf. Die Registrierung ist für beide Seiten kostenlos. Kommt ein „Match“ zustande, übernimmt Sentaris die Abwicklung von der Kontaktaufnahme über die Verträge bis zu Qualitätskontrolle und Abrechnung. Dafür schließt das Unternehmen zwei Verträge, einen mit dem Auftraggeber und einen mit dem Ruheständler, und verdient an der Marge. Schubotz legt Wert auf die Unterscheidung: „Wir sind keine Jobvermittlung, wir begleiten Prozesse.“

Die sogenannten Sentarier arbeiten freiberuflich und entscheiden selbst, wie viel sie arbeiten. Die Projekte sind in vier Anforderungsklassen von A bis D eingeteilt, nach denen sich die Vergütung richtet. Organisatorische und steuerliche Fragen beantwortet Sentaris nach eigenen Angaben ebenfalls. Unternehmen sparen sich damit laut den Gründern Personalmarketing und aufwendiges Onboarding, gerade wenn sie sich schwertun, ältere Menschen fest anzustellen.

Lächelnde ältere Frau mit Schürze in ihrer Töpferwerkstatt

Vom Dach­de­cker bis zur SAP-Beratung

Die Plattform steht allen Branchen offen. Im Mittelpunkt stehen laut Schubotz weniger frühere Vorstände als Menschen, die als Angestellte oder im Handwerk gearbeitet haben. Der Dachdecker müsse mit 70 nicht mehr aufs Dach, könne aber anleiten, prüfen oder Aufträge schreiben. Ausgeschrieben waren auf der Plattform etwa die Betreuung von Auszubildenden in der Elektronik, eine SAP-Anwendungsberatung und die Fachplanung für technische Gebäudeausrüstung. Die Kompetenzen der Sentarier ermittelt das Unternehmen nach eigenen Angaben vorab auf wissenschaftlicher Grundlage.

Die Idee entstand aus eigener Erfahrung

Gegründet wurde Sentaris 2022 von Dr. Michael Käßberger und Oliver Schubotz. Käßberger hatte früher für einen Konzern projektbezogen einen erfahrenen Mitarbeiter gesucht und niemanden gefunden. Über ein Mittelstandsnetzwerk kannte er Schubotz, der die Idee einer solchen Plattform zu diesem Zeitpunkt bereits seit zehn Jahren mit sich trug. Schubotz ist zugleich Geschäftsführer der Marktbande, die Standpunkt.Wirtschaft herausgibt.

Erst die Region, dann bundes­weit

Bislang liegt der Schwerpunkt auf der Bodenseeregion, wo auch die rund 350 Ruheständler im Pool leben. Für 2025 planen die Gründer den bundesweiten Ausbau, und zwar kontrolliert: Angebote von Arbeitgebern und neue Sentarier sollen im Gleichschritt wachsen. Bis Ende 2025 will Sentaris 16 Mitarbeitende beschäftigen und den Jahresumsatz auf 700.000 Euro steigern.

Mehr dazu: Portrait von Sentaris auf Standpunkt.Wirtschaft, das Interview „Tinder für Unruheständler“ in „Wirtschaft im Südwesten“ und sentaris.works

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