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Fami­li­en­heim Bodensee wird 75: Wie die Bauge­nos­sen­schaft Wohnen bezahlbar halten will

Seit 1950 vermietet die Baugenossenschaft Familienheim Bodensee aus Radolfzell Wohnungen an Menschen mit normalem Einkommen. Zum 75-jährigen Bestehen erklären die Vorstände Stefan Andelfinger und Marco Bächle, wie sie trotz steigender Baukosten günstig bleiben wollen und welche Wohnungen künftig gefragt sind.

Die Vorstände der Familienheim Bodensee, Stefan Andelfinger und Marco Bächle, am Besprechungstisch vor Baustellenfotos
Foto: Robin Heuser

Radolfzell. Die Baugenossenschaft Familienheim Bodensee feiert 2025 ihr 75-jähriges Bestehen. Seit der Gründung 1950 stellt sie ihren Mitgliedern bezahlbaren Wohnraum in der Bodenseeregion zur Verfügung, und daran soll sich auch künftig nichts ändern. Geführt wird die Genossenschaft von den Vorständen Stefan Andelfinger und Marco Bächle.

„Wir schaffen ein Zuhause für Gene­ra­tionen – und das seit Gene­ra­tionen.“

Stefan Andel­finger, Vorstand der Fami­li­en­heim Bodensee

Mieten unter dem Durch­schnitt

Die Genossenschaft baut für Menschen mit normalem Einkommen. „Wir sehen in diesen Menschen die Stützen unserer Gesellschaft“, sagt Bächle. Ziel sei es, mit den Mieten unter dem Durchschnitt der jeweiligen Gemeinde zu bleiben. Dafür konzentriert sich die Familienheim Bodensee nahezu ausschließlich auf die Vermietung. Den Gewinn steckt sie fast vollständig in die Rücklagen, die den Mietern wiederum über moderate Mieten zugutekommen.

Die Mieter bleiben entsprechend lange. Einige Mitglieder wohnen seit 50 Jahren und mehr bei der Genossenschaft. Manche sind in einer ihrer Wohnungen aufgewachsen und haben später die eigenen Kinder in einem ihrer Häuser großgezogen.

Ein Bauplan für viele Häuser

Einfacher wird das nicht. Neue Verordnungen und Auflagen machten das Bauen immer teurer, sagt Bächle. Die Genossenschaft setzt deshalb auf Wiederholung: Gemeinsam mit allen Beteiligten soll eine Blaupause entstehen, also ein Gebäude, das so gut ist, dass es immer wieder gebaut werden kann. Andelfinger rechnet vor, wo das spart: Der Architekt wandelt einen bestehenden Plan nur leicht ab, statt neu zu zeichnen. Der Statiker kennt die kritischen Punkte schon aus einem früheren Projekt. Und der Sanitärbetrieb kann 150 statt 50 Waschbecken bestellen, weil er weiß, dass er sie verbauen wird.

Kleinere Wohnungen, abschließ­bare Räume

Viel Zeit verwenden die Vorstände auf die Frage, wie Menschen in einigen Jahren wohnen wollen. Der Trend gehe eindeutig zu kleineren Wohnungen, sagt Andelfinger. Die Nachfrage nach Wohnungen mit 1,5 bis 2,5 Zimmern sei schon heute groß und werde weiter steigen. Offene Grundrisse, in denen Küche, Ess- und Wohnzimmer ineinander übergehen, brauchten mehr Fläche und bedeuteten damit mehr Miete. Erste Studien zeigten, dass sich Menschen wieder Wohnungen mit abschließbaren Räumen wünschen, ergänzt Bächle.

Die bestehenden Wohnanlagen überplant die Genossenschaft derzeit so, dass sie alters- und behindertengerecht werden. Barrierefreiheit bleibe eines der großen Themen, schließlich sollen die Wohnungen für alle Lebensphasen taugen.

Digital, aber nicht jedem Trend hinterher

Bei der Digitalisierung arbeitet die Familienheim Bodensee mit kombinierbaren Smart-Living-Bausteinen, etwa der volldigitalen Zählerablesung, einer dezentralen Wärmeregelung und elektronischen Schließsystemen. Bei einem Bauprojekt in Engen ist von Anfang an eine Paketbox eingeplant, damit Mieter verpasste Sendungen nicht bei der Post abholen müssen. Jeden Trend wolle man trotzdem nicht mitmachen, sagt Andelfinger. Die Genossenschaft produziere „ein langlebiges Wirtschaftsgut in einer sehr kurzlebigen Zeit“.

Für die kommenden Jahrzehnte sehen die Vorstände einen „gesellschaftspolitischen Auftrag für den Mittelstand in der Region“: dafür zu sorgen, dass er sich das Wohnen am Bodensee auch künftig leisten kann.

Das vollständige Interview steht auf der Website der Genossenschaft: familienheim-bodensee.de

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